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Interview mit Bürgermeister Wolf Rosenzweig


wolf_rosenzweigSeit gut zwei Jahren ist Wolf Rosenzweig unser Bürgermeister, und er hat sich gewiss nicht in seinem Büro ausruhen können. Helge Poppendiek sprach mit ihm über das vergangene Jahr, seine Pläne für 2009 und darüber, wie es ihm als Bürger und Nachbar im Ortsteil Elstorf so geht.

Wolf, das vergangene Jahr war sehr turbulent und schwierig – Stichwort Mienenbüttel. Welches sind Deine Schlussfolgerungen für die künftige Arbeit als Bürgermeister?

Zunächst möchte ich betonen, dass der Weg, den wir in der Planung für das Gewerbegebiet Mienenbüttel gegangen sind, richtig war. Der Umgang mit der Bürgerinitiative hat allerdings erhebliche emotionale Züge angenommen, die der Sache nicht gedient haben. In einem solchen Konflikt muss und will ich mich auch selbst fragen, was dort hätte anders laufen können. Ich werde mich künftig gewiss bemühen, meine Gefühle stärker im Zaum zu halten und mich mehr zurück zu nehmen.

Welches sind die Themen und Pläne, die Neu Wulmstorf im neuen Jahr vorrangig bewegen werden?

Um überhaupt eine solide Grundlage für politisches Handeln in der Gemeinde zu haben, brauchen wir einen ausgeglichenen Haushalt. Ich bin zuversichtlich, dass uns dies im Februar gelingen wird.
Wir müssen vieles, was wir in der Vergangenheit geplant und angeschoben haben, umsetzen und fertigstellen. Das gilt auch für Mienenbüttel. Der nächste Schritt ist die Erschließung. Es ist wichtig, dass dort möglichst bald konkrete gewerbliche Aktivitäten beginnen. Wir werden alles, was wir können, tun, um bei den dort ansässigen Bürgern mehr Akzeptanz zu schaffen.
Das Bahnhofsumfeld mit Busbahnhof, Radstellplätzen und Einrichtung der Nord-Süd-Buslinien soll Realität werden.
Die Umstellung der Wasserversorgung von „Hamburg Wasser“ auf den Wasserbeschaffungsverband Harburg (WBV) hat bei vielen Bewohnern des Kernortes wegen des höheren Kalkgehaltes Unmut ausgelöst. Wir sind mit dem WBV in intensiven Gesprächen über die Möglichkeiten einer positiven Veränderung, und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir dabei zu guten Ergebnissen kommen werden.
Für das familienfreundliche Neu Wulmstorf wollen wir durch Einrichtung weiterer Krippenplätze vorankommen. Hier haben wir noch erhebliche finanzielle Probleme zu lösen.
Der Bau einen neuen Feuerwehr-Gerätehauses wird uns gleichfalls spannende Abwägungsprobleme zwischen den Anforderungen der Feuerwehr und unseren finanziellen Möglichkeiten bringen.
Im Lichte der Konjunkturkrise und der Ankurbelungsprogramme der Bundesregierung hoffen wir, dass der Bau der B3-neu jetzt wirklich vorankommt. Auch für andere Infrastrukturmaßnahmen könnten wir, wenn uns die Mittel zur Verfügung gestellt würden, sehr schnell Aufträge an die Wirtschaftsbetriebe in unserer Region geben. Solange allerdings die Behörden des Bundes über Einzelheiten befinden wollen, wird vieles noch geraume Zeit dauern. Dies ist zumindest meine Befürchtung.
Wir werden in 2009 keine wesentlich völlig neuen Pläne machen. Das, was wir in der Vergangenheit losgetreten haben, wird uns noch die nächsten Jahre beschäftigen. Wir wollen keine neuen Steine ins Rollen bringen, sondern dafür sorgen, dass die Steine in den richtigen Bahnen rollen.


Was wird auf Neu Wulmstorf einwirken und damit unser Handeln erforderlich machen?

Wolf RosenzweigWir erwarten Fortschritt bei der flächendeckenden Einrichtung von schnellen Internet-Zugängen. Dies ist auch eine wichtige Voraussetzung für den Ausbau unserer e-Gouvernement-Aktivitäten (Elektronische Abwicklung von Verwaltungsvorgängen). Hierbei arbeiten wir sehr eng mit dem Landkreis und anderen Gemeinden  zusammen.
Hamburg wird voraussichtlich mit der Planung des Kasernengeländes in Fischbek voranschreiten. Hiervon sind wir stark betroffen und müssen unsere Belange in den Prozess einbringen. Wir haben das Gelände des Standort-Übungsplatzes erworben und an die Naturschutz-Stiftung übertragen. Die Detailplanung zur Ausgestaltung des Geländes wird uns gleichfalls beschäftigen.
Der Gesetzgeber hat verfügt, dass das Rechnungswesen der Gemeinden von der herkömmlichen Kameralistik auf die „Doppelte Buchführung“ (Doppik) umgestellt werden muss. Neu Wulmstorf wird dies im Jahr 2010 umsetzen. Damit haben wir nicht mehr nur eine Einnahmen-/Ausgaben-Rechnung, sondern werden auch jährlich eine Bilanz erstellen, die die Veränderung des Vermögens der Gemeinde ausweist. Damit verbunden ist eine neue Vorgehensweise in der Finanzplanung. Wir werden künftig für viele Bereiche (z.B. Schulen, Kitas u.a.) Standards und Zielvereinbarungen festlegen und den Verantwortlichen zur Erreichung der Ziele Geld zur Verfügung stellen, über dessen Verwendung sie dann eigenverantwortlich entscheiden müssen. Damit geht z.B. für Politiker der Einfluss auf die Verwendung von Einzelbeträgen verloren. Ich erwarte, dass diese neue Systematik für manche nicht ganz einfach werden wird. Aber wir werden in 2009 alle Vorbereitungen treffen und nicht nur die Mitarbeiter der Verwaltung, sondern auch die Rats- und Ausschussmitglieder eingehend schulen.

Seit knapp zwei Jahren wohnt die Familie Rosenzweig in Elstorf. Wie fühlt Ihr Euch dort und welche Aktivitäten bestimmen Dein Leben, wenn Du nicht in Amtsgeschäften „unterwegs“ sein musst?

Wolf RosenzweigWir fühlen uns in Elstorf ausgesprochen wohl. Wir gehen gern abends mal zum Klönen in die Kneipe und können dort mit anderen Bürgern in lockerer Atmosphäre Gespräche führen. Meine Frau Brigitte kann direkt von der Haustür aus ihre geliebten Langstreckenläufe starten. Die Familie ist etwas kleiner geworden, weil unsere Tochter „flügge“ ist und auswärts studiert. Unser Sohn geht noch in Buxtehude zur Schule und geht seiner Musikleidenschaft in einer Band aus Meckelfeld nach.
Meine eigene Zeit für Hobbys ist recht begrenzt, aber ich schließe keinen Tag ohne ein Buch ab. Derzeit lese ich von Wolfgang Röhl „Im Norden stürmisch“, eine spannende Kriminalgeschichte, die in der Gegend zwischen Oste, Elbe und Schwinge spielt. Sportlich gesehen bin ich etwas faul geworden. Und mein Traum ist es, meine Fleischmann-Modelleisenbahn, Spur N, wieder einmal aufzubauen.


Danke für Deine Zeit und das interessante Gespräch.